Unter Paris liegt nicht nur ein Beinhaus, sondern ein Teil der Stadtgeschichte. Die Katakomben verbinden den Abbau von Baustoffen, die Krise überfüllter Friedhöfe und den Wandel im Umgang mit den Toten. Dieser Guide erklärt, wie ehemalige Steinbrüche zu einem Ort der Erinnerung wurden.

Die Geschichte unter Ihren Füßen.
Vom Kalkstein, aus dem Paris entstand, bis zum Beinhaus, das seine Bewohner bewahrt.
Die wichtigsten Daten ↓Besuch und Tickets →Die Geschichte auf einen Blick
Den Untergrund sichern
Die Inspection générale des carrières wird gegründet, um verlassene Steinbrüche zu überwachen und zu stabilisieren.
Ein Friedhof schließt
Die Saints-Innocents im Zentrum von Paris werden wegen der hygienischen Probleme geschlossen.
Das Beinhaus entsteht
Am 7. April werden die ehemaligen Steinbrüche der Tombe-Issoire als städtisches Beinhaus geweiht.
Besucher kommen
Das Beinhaus öffnet für öffentliche Besichtigungen. Der Ort wird zum Ziel einer Reise unter Paris.

1. Zuerst kam der Stein: der Untergrund als Baustoff
Die Katakomben sind keine natürliche Höhle. Ihre Gänge wurden von Menschen geschaffen, die Kalkstein abbauten. Der Stein aus dem Pariser Untergrund lieferte Baumaterial für die Stadt über ihm.
Die offiziellen historischen Angaben unterscheiden frühe Steinbrüche unter freiem Himmel von späteren unterirdischen Abbaugebieten. In der Tombe-Issoire waren Steinbrüche mindestens seit dem 15. Jahrhundert in Betrieb. Nach ihrer Stilllegung blieben Hohlräume zurück.
Als Paris wuchs, wurden solche verlassenen Räume zum Sicherheitsproblem. Einstürze machten deutlich, dass der Untergrund überwacht werden musste. Hier beginnt die Geschichte der Sicherung – noch bevor die Gebeine kamen.

2. Die Friedhofskrise: warum die Gebeine unter die Erde kamen

Der Friedhof der Saints-Innocents lag im dicht bewohnten Zentrum bei Les Halles. Über Jahrhunderte hatte er zahlreiche Tote aufgenommen. Ende des 18. Jahrhunderts wurden die hygienischen Probleme so schwerwiegend, dass die Behörden handeln mussten.
1780 wurde der Friedhof geschlossen. Ein Einsturz, bei dem eine Grube in den Keller eines benachbarten Hauses einbrach, gehört zu den Ereignissen dieser Krise. Die Lösung bestand nicht darin, die alten Bestattungen am selben Ort neu zu ordnen.
Stattdessen wählte man die aufgegebenen und gesicherten Steinbrüche der Tombe-Issoire. Sie lagen damals außerhalb der Hauptstadt und boten Raum für ein städtisches Beinhaus.
3. Die Überführungen: Paris erhält ein neues Beinhaus
Charles-Axel Guillaumot und die Inspection générale des carrières waren mit der Vorbereitung des Ortes und der Organisation der Überführungen befasst. Am 7. April 1786 wurden die ehemaligen Steinbrüche geweiht: Das städtische Beinhaus erhielt den Namen „Catacombes“.
Die Gebeine wurden bei Einbruch der Dunkelheit transportiert. Die ersten Räumungen betrafen die Saints-Innocents; anschließend kamen Überreste aus weiteren Pariser Friedhöfen hinzu.
Die offizielle Chronologie nennt für diese weiteren Überführungen die Jahre 1787 bis 1814. Damit war die Geschichte aber nicht abgeschlossen: Noch 1860 gelangten im Zusammenhang mit den Stadtumbauten unter Haussmann weitere Gebeine hierher.

4. Héricart de Thury: aus einem Depot wird ein Erinnerungsort

Louis-Étienne Héricart de Thury. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Die heutige Wirkung des Beinhauses entsteht nicht allein durch die Zahl der Gebeine. Sie beruht auch auf ihrer bewussten Anordnung. Unter Héricart de Thury wurden Knochen und Schädel zu Fassaden aufgebaut; die offizielle Chronologie hebt die Umgestaltung von 1810 bis 1814 hervor.
Ordnung statt losem Depot
Reihen langer Knochen und Schädel bilden die sichtbaren Wände. Weitere Gebeine liegen dahinter. Die Bauweise erinnert an Stützmauern der Steinbrucharbeiter.
Herkunft und Erinnerung
Tafeln nennen frühere Friedhöfe. Religiöse und poetische Texte laden dazu ein, über die Vergänglichkeit und die Menschen hinter den Gebeinen nachzudenken.
Ein gestalteter Rundgang
Pfeiler, Altäre und steinerne Monumente ergänzen das Beinhaus. Der Ort ist zugleich unterirdisches Bauwerk und bewusste Inszenierung des Gedenkens.

Historische Ansichten: ein anderer Blick auf das Beinhaus
Scrollen oder wischen Sie durch die vorhandenen historischen Ansichten. Sie zeigen, wie lange die Katakomben bereits die Vorstellungskraft von Besuchern und Bildschaffenden beschäftigen.




Die Anekdote von Philibert Aspairt
Zu den bekanntesten Erzählungen über den Pariser Untergrund gehört das Schicksal von Philibert Aspairt, einem Pförtner des Val-de-Grâce. Das folgende Video erzählt diese ungewöhnliche Anekdote.
Der Überlieferung zufolge verirrte sich Aspairt 1793 in den ehemaligen Steinbrüchen; seine Überreste wurden erst elf Jahre später gefunden. Die Suche nach Chartreuse-Flaschen ist ein häufig erzähltes Motiv dieser Geschichte, nicht als gesicherter Beweggrund zu verstehen. Die Anekdote betrifft das weitere Steinbruchnetz und bedeutet nicht, dass sein Grab zum regulären Museumsrundgang gehört.
Originalvideo auf Französisch. Video auf YouTube öffnen →
Geschichte, Bilder und Legenden auseinanderhalten
Ein Ort wie dieser zieht Erzählungen über geheime Wege, verlorene Besucher und ungewöhnliche Ereignisse an. Nicht jede oft wiederholte Geschichte ist gleich gut belegt. Für das Verständnis des heutigen Beinhauses sind die dokumentierten Friedhofsräumungen, die Sicherung der Steinbrüche und die Gestaltung der Knochenwände wichtiger als Spukgeschichten.
Die Katakomben heute: bewahren statt berühren
Die Gebeine sind menschliche Überreste, keine Requisiten. Ihre Erhaltung in einer feuchten unterirdischen Umgebung und ein respektvoller Besuch gehören zusammen. Wer die Geschichte kennt, sieht in den Wänden nicht nur ein ungewöhnliches Muster, sondern das kollektive Gedächtnis einer Stadt.
Für Ihre eigene Besichtigung hilft der auch auf Deutsch verfügbare Audioguide, die Entwicklung vom Steinbruch zum Beinhaus nachzuvollziehen. Wenn Sie einen persönlichen Guide bevorzugen, prüfen Sie Sprache und Leistungen des jeweiligen Angebots.
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Tickets und Preise →Mit Guide und Sonderzugang
Manche Führungen bieten zusätzliche Bereiche. Welche Räume und welche Sprache enthalten sind, hängt vom konkreten Angebot ab.
Führungen vergleichen →Häufige Fragen zur Geschichte
Wann entstanden die Katakomben von Paris?
Das städtische Beinhaus wurde am 7. April 1786 geweiht. Die Steinbrüche, in denen es liegt, sind deutlich älter.
Warum wurden die Gebeine hierher gebracht?
Die überfüllten Friedhöfe im Zentrum verursachten hygienische Probleme. Die Behörden verlegten Gebeine in ehemalige Steinbrüche der Tombe-Issoire.
Seit wann kann man die Katakomben besuchen?
Das Beinhaus ist seit 1809 für öffentliche Besichtigungen geöffnet.
Wer gestaltete die Knochenwände?
Die Umgestaltung erfolgte unter Héricart de Thury. Knochenfassaden, Monumente und Inschriften machten aus dem Depot einen gestalteten Erinnerungsort.
Sind alle unterirdischen Gänge Teil des Museums?
Nein. Das Beinhaus ist nur ein kleiner Teil der ehemaligen Steinbrüche. Ein Besuchsticket berechtigt nicht zum Zugang zum übrigen Netz.
Gibt es Erklärungen auf Deutsch?
Ja, der Audioguide ist auch auf Deutsch verfügbar. Bei persönlichen Führungen müssen Sie die Sprache separat in den Angebotsdetails prüfen.
Ihr Besuch: Geschichte erleben, gut vorbereitet
Quellen und weiterführende Informationen
- Offizielle Geschichte des Ortes und Chronologie – Gründung, Überführungen und Öffnung für Besucher.
- Das Beinhaus auf der offiziellen Museumswebsite – Knochenwände, Monumente und Nadar.
- Offizielle Einführung auf Deutsch – Entstehung und Besuch.